Selbstdarstellung - Kurzfassung

 

 

 

Meine Malerei kommt vom Konstruktivismus her, bezieht aber realistische, expressionistische und surrealistische Elemente ein. Daraus entsteht eine eigene, komplexe Formensprache, die sich im Spannnungsfeld von Abstraktion und Konkretion, konstruktivistischer Rationalität und Expression entfaltet. Die Grundlage der formalen Gestaltung bildet eine von mir selbst entwickelte Technik der seriellen Variation, analog musikalischen Konstruktionsprinzipien, wie man sie etwa aus der Zwölftonmusik, aber auch schon aus der klassischen Kunst der Fuge kennt. Diese Technik dient mir als eine Methode zur Erzeugung ungewöhnlicher und asymmetrischer Strukturen, die dann die Grundlage einer themenbezogenen Komposition und Gestaltung bilden. Themenschwerpunkte meiner Malerei sind unter anderem kosmologische Studien, konstruktivistisch-architektonische Landschaften und Ansichten, Meeres- und Segelmotive, Studien zu musikalischen Werken sowie geometrische Stilleben.

 

Ich verbinde in meinen Bildern moderne Konstruktionsprinzipien mit einer traditionellen Malweise, die sich unter anderem an der holländischen Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts orientiert. In diesem Nebeneinander von Modernität und Tradition liegt ein besonderer Reiz. Ein Anliegen ist es, tradierte Möglichkeiten der Malerei auf dem Boden der von mir entwickelten Version eines expressiven Konstruktivismus zurückzugewinnen. Meine Malerei stellt etwas Eigenes und Neues dar, ist aber auch Klassikern der Moderne wie Mondrian, Kandinsky oder Max Ernst verpflichtet.

 

Ich wurde 1948 in Rendsburg geboren und machte dort das Abitur. Anschließend studierte ich in Frankfurt und Hamburg Politikwissenschaft und Philosophie und begann eine wissenschaftliche Laufbahn, zunächst als Assistenzprofessor und apl. Professor für Soziologie der Erziehung an der Freien Universität Berlin, dann bis 1998 als Professor für Historische Pädagogik an der Universität München. Danach habe ich mich etwa vier bis fünf Jahre hauptsächlich mit der Malerei beschäftigt, bis ich zur Wissenschaft zurückkehrte, um Forschungsprojekte zum Nationalsozialismus zu übernehmen. Meine künstlerische Arbeit begann aber schon in der Jugend, und ich habe diese Arbeit nebenher immer fortgesetzt. Darüber hinaus habe ich mich auch als Wissenschaftler mit künstlerischen Themen beschäftigt; so habe ich Studien zur Kunst und Architektur in der Französischen Revolution und ein Buch über Kreativität und Utopie veröffentlicht. Meine wissenschaftlichen Arbeiten zum Nationalsozialismus sind erst Anfang 2025 zum Abschluss gekommen. Seitdem widme ich mich wieder der künstlerischen Arbeit.

 

 


Ausführliche Selbstdarstellung

 

Meine künstlerische Entwicklung beginnt in der Jugend; ich habe bereits mit 16/17 Jahren begonnen, einen eigenen Stil zu entwickeln, der im Kern in einer Anwendung von Prinzipien der seriellen Musik auf die Malerei besteht und der sich als „expressiver Konstruktivismus“ charakterisieren ließe. Diese Konstruktionsprinzipien bestehen in bestimmten Methoden linearer Variation, ähnlich wie sie im 18. Jahrhundert in der musikalischen Form der Fuge praktiziert und in der seriellen Musik des 20. Jahrhunderts weiterentwickelt wurden. Analogien bestehen auch zur musikalischen Polyphonie, aber es handelt sich bei alldem nur um Analogien, nicht um eine direkte Übertragung oder Umsetzung. Im Laufe der Zeit sind weitere Stilelemente hinzugekommen, vor allem solche der Montagetechnik, die ich mit den Konstruktionsprinzipien der „seriellen Malerei“ verbunden und zu Formen einer expressiven und surrealen Geometrie ausgebaut habe. Alle Bilder beruhen auf solchen Konstruktionstechniken, ich verwende diese Methoden aber nur als ein Mittel zur Erzeugung ungewöhnlicher Strukturen, mit denen ich dann frei, assoziativ, intuitiv oder von bestimmten inhaltlichen Vorstellungen und Ideen geleitet umgehe; es geht mir daher nicht um die Konstruktion allein, sondern um den Ausdruck, oder, etwas theoretischer formuliert, um die Dialektik von Konstruktion und Ausdruck, Rationalität und Gefühl.

 

1967 hatte ich eine erste Ausstellung in den kommunalen Ausstellungsräumen der Stadt Rendsburg („Rendsburger Ring“). Danach begann mein Studium und eine wissenschaftliche Laufbahn: Promotion in Politikwissenschaft, Assistenzprofessor für Soziologie der Erziehung an der FU Berlin, Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professor für Historische Pädagogik an der Uni München und apl. Professor für Erziehungswissenschaft an der FU. Während dieser Zeit habe ich mich immer nur nebenher mit der Malerei beschäftigen können. 1988 ergab sich dann die Möglichkeit, für einige Jahre aus der Wissenschaft "auszusteigen" und mich ganz der Malerei zu widmen, um die Potentiale, die in meinen künstlerischen Methoden liegen, endlich einmal in Zeit und Ruhe entwickeln zu können. Während dieser Zeit sind zahlreiche Werke entstanden, so dass ich beginnen konnte, meine Bilder auch auszustellen. Innerhalb von fünf Jahren sind rund 70 Gemälde entstanden, von denen ich einige auch verkauft habe. Anschließend bin ich in die Wissenschaft zurückgekehrt und begann mit der Arbeit an einem längerfristig angelegten Forschungsprojekt zum Nationalsozialismus, das ich erst Anfang 2025 für mich zum Abschluss bringen konnte. Seitdem habe ich wieder die nötige "innere Ruhe" um mich erneut der Malerei zuzuwenden. Ich versuche jetzt, einen "Altersstil" zu entwickeln, bin aber auch damit beschäftigt, einige ältere Bilder zu überarbeiten bzw. zu reparieren oder neue Versionen herzustellen.

 

Was ich an technischen Kenntnissen und Fertigkeiten für meine Bilder benötige, habe ich mir im Laufe der Jahre selbst angeeignet. Im ersten Semester habe ich an einem Vorbereitungskurs zur Bewerbung an eine Kunsthochschule teilgenommen, habe mich damals dann aber für einen anderen, wissenschaftsorientierten Studiengang entschieden. Die Kunst hat für mich immer ein Gegengewicht zur Wissenschaft gebildet. Dennoch waren dies für mich nie zwei völlig getrennte Bereiche. Als Erziehungswissenschaftler und Historiker habe ich auch einige Arbeiten veröffentlicht, die sich mit kunsthistorischen und ästhetischen Themen befassen, so u.a. ein Buch zur Architektur und Kunst der Französischen Revolution und ein Buch über das Kreativitätskonzept. Außerdem habe ich an einigen Ausstellungskatalogen mitgewirkt.

 

Meine Bilder lassen sich unter formalen Gesichtspunkten in drei Haupgruppen gliedern. Zum einen handelt es sich um eine Reihe kleinerer Bilder auf Zeichenkartons, überwiegend Aquarelle mit Tuschezeichnungen im Format DIN A 3, die den Charakter einer spielerischen Geometrie haben. Eine zweite Gruppe bilden vorwiegend kleinformatige Ölgemälde, in denen ich Motive und Elemente aus diesen Zeichnungen aufnehme und mit anderen konstruktivistischen Strukturen, teils auch mit realistischen Elementen verknüpfe, so dass sich surrealistische Wirkungen ergeben („surreale Geometrie“). Die dritte Gruppe sind Ölgemälde von unterschiedlichen Formaten, die der Idee eines „expressiven Konstruktivismus“ folgen, d.h., die ich weniger surrealistisch als expressionistisch verstehe.

 

In allen Bildern setze ich mich mit konstruktivistisch erzeugten Strukturen und Systemen auseinander, die sich unter verschiedenen Aspekten gestalten und betrachten lassen:

 

1. Systeme als strenge, geschlossene und unentrinnbare Totalitäten, die sich als Chiffren des Totalitarismus und Rationalismus der Moderne lesen lassen; hier habe ich mich etwa durch die Verknüpfung mit anatomischen Elementen unter anderem mit Konzentrationslager- und Folterwelten auseinandergesetzt.

 

2. Systeme der Bewegung und der Variation, die Werden und Prozessualität zum Ausdruck bringen; dies habe ich vor allem mit kosmologischen Konzepten verbunden.

 

3. Systeme, die sich mit konkreten und naturhaften Formen verbinden und einen spielerischen, teils auch utopischen Charakter annehmen; hier verfolge ich die Idee einer Art konstruktivistischer Genremalerei (Landschaften, Meeresansichten, Segelmotive, Stilleben).

 

 

 

Mein Ziel ist, traditionelle Möglichkeiten der Malerei auf dem Boden der Moderne – in diesem Fall über den Weg der Geometrisierung – zurückzugewinnen und eine Form moderner Kunst zu schaffen, die sich nicht nur im beständigen, abstrakten Bruch mit Traditionen konstituiert, sondern Dimensionen des Geschichtlichen und der historischen Reflexion in sich aufnimmt.

 

Durchgängig ist für alle Bilder die Anwendung konstruktivistischer Techniken und Methoden, die ich aber in sehr unterschiedliche Richtungen zu entwickeln und gestalten versuche. Das verbindende Thema ist, wenn man so will, die Auseinandersetzung mit der Dialektik der Rationalisierung. Das wichtigste konstruktivistische Prinzip ist in meinen Arbeiten die Technik der seriellen Variation. Hier hat mir die Musik als Vorbild gedient, und eine Reihe von Bildern haben auch unmittelbar musikalische Werke zur Grundlage, indem ich die linearen Verläufe von Notenbildern in die grafische bzw. räumliche Ebene übertragen habe, so dass sie sich wie gemalte Partituren lesen lassen. Die Variationenbildung folgt den Vorbildern der Fuge und der Seriellen Musik: Grundreihe, Umkehrung, spiegelbildliche Verdrehung und deren Umkehrung (Krebs); daraus ergeben sich jeweils vier Grundformen, an die sich weitere Variationsformen anschließen lassen. Diese linearen Strukturen zeichne ich in ein Grundraster ein, bei dem ich zumeist mit räumlichen Verzerrungen, z.B. horizontalen und vertikalen Verdichtungen, arbeite, um räumliche Tiefenwirkungen zu erzielen. Auf diese Weise entstehen strukturelle Systeme, die sich verkleinern und vergrößern lassen, die man übereinander legen und kombinieren kann, so dass am Ende eine komplexe architektonische Gesamtkomposition entsteht. In vielen Fällen habe ich auch runde Grundraster verwendet, die zu sternförmigen oder ähnlichen Strukturen führen; im Prinzip lassen sich alle linearen Gebilde solchen Variationen unterwerfen, wie ich es zum Beispiel mit Segelmotiven durchgeführt habe. Das Ergebnis der seriellen Variation ist ein fortlaufendes Kontinuum von Strukturen, in dem es keine Wiederkehr des Gleichen gibt und in dem daher auch Symmetrien abwesend sind oder nur zufällig vorkommen; in dem immer neue Strukturen entstehen, zwischen denen aber Ähnlichkeiten und „Verwandtschaften“ bestehen. Bei aller Heterogenität bleibt stets ein gemeinsamer "Grundton" bestehen, der sich aus der Grundform ergibt, aus dem sich alles andere ableitet, und der dem Ganzen jeweils einen übergreifenden, spezifischen „Charakter“ gibt.

 

Eine andere Technik besteht darin, dass ich serielle Strukturen mathematisiere und anschließend in die grafische Ebene zurückübersetze, indem ich Reihen von Zahlenkombinationen als Handlungsanweisungen für grafische Vorgänge und Verläufe definiere, aus denen dann geometrische Gebilde aus Linien, Flächen und Kreisen enstehen. Diese Technik liegt vor allem den Aquarellen zugrunde. Hier spielt der Zufall eine große Rolle. Generell ist die Einbeziehung des Zufalls bzw. eines Moments des Unvorhersehbaren ein wichtiger Aspekt bei diesen unterschiedlichen Techniken linearer Variation und Kombination, analog der Aleatorik in der modernen Musik, weil durch die Variationsprinzipien Strukturen entstehen, die sich allein aus der mathematischen Logik ergeben und nicht aus Intentionen und Empfindungen. Die Resultate sind in dem Sinne objektiv, dass sie nicht das Produkt von Empfindungen sind; dieser Prozess der Entsubjektivierung bildet eine wesentliche Differenz zum klassischen Konstruktivismus, der immer noch von subjektiven Intentionen – ästhetische Präferenzen, weltanschauliche und metaphysische Orientierungen – geleitet war.

 

Durch die Technik der seriellen Variation wird der im Konstruktivismus angelegte Prozess der Entleerung radikalisiert und zu einem Nullpunkt geführt, an dem die künstlerische Subjektivität verschwindet. An diesem Punkt setzt aber meine eigentliche Arbeit erst ein, denn ich verwende die so entstandenen strukturellen Gebilde nur als Grundlage für eine freie Gestaltung nach meinem Willen oder meinen Intuitionen, um eigenen Assoziationen, Ideen und Empfindungen einen ästhetischen Ausdruck zu geben. Es handelt sich daher nicht um eine „strukturalistische“ Malerei, sondern um eine Malerei mit einem strukturalistischen Fundament. In einem zweiten Schritt der ästhetischen Gestaltung kehrt die Wirklichkeit der Empfindungen und Vorstellungen wieder zurück; daher ist es auch kein Widerspruch, wenn ich in einigen Bildern abstrakte Strukturen und konkrete Elemente der Realität verbinde. Es geht mir nicht darum, das Prinzip der Entleerung zur Darstellung zu bringen, sondern seine Präsenz in der Wirklichkeit zu zeigen. Dahinter steht die Auffassung, dass Empfindungen und Gefühle nicht unmittelbar existieren, sondern immer schon durch Formen der Rationalität, genauer: durch das Prinzip der Rationalisierung in der Moderne vermittelt sind. Mir geht es um die Vermittlung oder Integration von Gefühl und Rationalität, und in dieser Hinsicht unterscheiden sich meine Bilder gleichermaßen vom reinen Konstruktivismus wie vom ästhetischen Expressionismus. Es liegt nahe, hier gesellschaftstheoretische Deutungen anzuschließen – der Rekurs auf Max Weber z.B. bietet sich an –, aber ich sehe es nicht als meine Aufgabe, meine eigenen Bilder zu interpretieren.

 

Ich suche mit dieser Technik einen Weg, von der Abstraktion zurück zur inneren und äußeren ästhetischen und geschichtlichen Erfahrung zu gelangen, indem ich die „Wirklichkeit“ so wiederzugeben versuche, dass in ihr das vorherrschende Prinzip der Moderne, die Dialektik der Rationalisierung präsent ist. Die treibenden Kräfte der Modernisierung sind von dieser Dialektik bestimmt: Aufklärung, Wissenschaft, Technologie und das ökonomische Prinzip der Rationalität beinhalten die Möglichkeit wachsender Zwänge ebenso wie Potentiale einer immer größer werdenden Handlungsfreiheit. Die „Entzauberung“ der Welt durch die Rationalisierung bedeutet den Verlust an konkreten Erfahrungsmöglichkeiten ebenso wie die Möglichkeit, die Welt aus innerer Freiheit heraus wiederzufinden, neu sich anzueignen und zu gestalten. In diesem Spannungsfeld von Systemzwang und Autonomie, Entleerung und Gestaltung versuche ich meine eigene ästhetische Sprache zu entfalten.

 

 

 

Bildbeispiele

 

Von heute auf morgen“. Variationen über ein Thema von Schönberg (Gemälde und Aquarell)

 

Das Gemälde setzt sich mit Arnold Schönbergs Oper „Von heute auf morgen“ auseinander. Ausgangspunkt der Komposition ist die Grundreihe, die der Oper zugrunde liegt. Sie wurde in eine lineare Gestalt tranformiert und nach ähnlichen Prinzipien wie Schönberg sie selbst in der Musik praktiziert hat, einer Folge von seriellen Variationen unterworfen, aus denen dann ein strukturelles Ganzes gebildet wurde. Über dem dadurch enstehenden strukturalen Geflecht liegt eine zweite Ebene aus geometrischen Figurationen; sie sind ebenfalls aus der Musik abgeleitet, beruhen aber nicht auf linearen, sondern mathematisierten Variationen. Komposition und Farbgebung sind dem Spannungsverlauf der Oper nachempfunden, vor allem durch die Farbgebung soll etwas vom expressiven Gehalt des Werks sichtbar gemacht werden; die geometrischen Figurationen können bis zu einem gewissen Grad als Symbolisierungen der Akteure der Opernhandlung gelesen werden. In den Farben dominieren Blau und Rot als Ausdruck der „männlichen“ und weiblichen“ Akteure, die in der Oper in Konflikt miteinander geraten.

 

 

 

 

 

"Maritimer Konstruktivismus" – Variationen über ein Segelmotiv

 

In dieser Bilderfolge habe ich ein Segelmotiv aus einem Gemälde von Ludolf Backhuysen ("Leicht bewegte See") aus dem Jahr 1664 als Grundlage für serielle Variationen genommen. Das erste Bild mit dem programmatischen Titel zeigt die Grundformen, Bild 2 zeigt exemplarisch das Ergebnis einer streng durchgeführten Komposition aus Strukturen serieller Variationen. In den anderen Bildern werden strukturelle Gebilde aus solchen Kompositionen mit anderen Elementen kombiniert – Meeresansichten und Figuren aus meinen geometrischen Aquarellen, so dass sich ein leicht surrealer Effekt ergibt. Hier werden die strukturellen Formen frei und spielerisch verwendet.

 

 

 

"Vernichtungslager"

 

In einigen Bildern ging es mir darum, die Vorstellung eines totalen Systems mit der der Verwundbarkeit und Verletzlichkeit des Körpers zu verknüpfen; deshalb enthalten diese Bilder realistische Elemente aus der Anatomie des menschlichen Körpers. Die Werke "Vernichtungslager" folgen einer Grundidee: im Vordergrund ein aufgetürmter Berg aus aufgeschnittenen Körperteilen, die aus der strukturellen Geometrie herauswachsen oder in die Elemente dieser Geometrie hinein gebrannt sind; dieser Berg wird in der Mitte auseinander gebrochen und lässt eine Leerstelle, ein Loch sichtbar werden, das die Vernichtung/das Krematorium symbolisiert. Ich habe dabei auch an das Bild eines Körpers gedacht, der in der Mitte zwischen den Armen auseinander bricht. Man kann hier viele Assoziationen haben. In Bild II kann man sich auch (rechts in der Mitte) einen hell aufscheinenden, in den Körper eingebrannten Judenstern vorstellen. Ein anderes Grundelement bilden die Hintergrundsstrukturen, die an eine Architektur aus Mauern und Wachtürmen denken lassen. Eine dritte Ebene zwischen dieser Hintergrundsarchitektur und den Körper-Bergen bildet eine strukturelle Landschaft aus sternenförmigen Gebilden, die in der Mitte Löcher aufweisen und daher wieder an Krematorien denken lassen. Diese strukturelle Landschaft soll den rationalistischen Charakter etwa der KZ-Welt als System verdeutlichen. Hinzu kommen dann Details, die auf den Aspekt der Serialität in dieser Welt verweisen.

 

„Architektur des Schreckens“

 

Das Gemälde ist von einem Besuch des Jüdischen Museums in Berlin angeregt worden. Ich habe den Grundriss des Museumsbaus, der Orte ehemals jüdischen Lebens in Berlin nachzeichnet, als Ausgangspunkt für eine serielle Komposition genommen und das daraus folgende System von Strukturen mit anderen strukturellen Elementen, die auf die Konzentrationslager und den Holocaust Bezug nehmen, verknüpft. Als zusätzliches Moment wird im Hintergrund eine serialisierte Landschaft aus Elementen der KZ-Architektur sichtbar. Das Prinzip der Serialisierung soll in diesem Bild als ein Prinzip totalitärer Integration sichtbar werden.